Rückschau – Vorschau 

Was war, was wird sein ?

Im letzten Jahr kam mich ein verspäteter Schmetterling (am 25. Oktober) besuchen.

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Ich stellte ihm einen Eierbecher mit Zuckerwasser hin, aber er wollte nicht und flog von dannen in die eisige ihn nun erwartende Kälte des nicht mehr fernen Novembers.

 

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In meiner Einsamkeit sind es immer ausgerechnet Insekten gewesen, die mich besuchten und die ich sogar zeichnete:

 

… manchLaufkäfermal mit etwas mehr Phantasie … Schmetterling Käfer

über Virginia Woolfs Meditationen über die Einsamkeit (Jacobs Raum) eines kleinen Jungen werde ich irgendwann mal noch ein Bild bringen. Und natürlich das Zitat. (Ich brauche nicht zu erwähnen, dass V.W. ein absolutes Lesemuss ist.)

Was also geschah letztes Jahr ? Thukydides nochmal gelesen? Nein! Aristophanes gelesen? Proust? Fast gar nicht. Also ein ereignisloses Jahr. Ein bisschen Lukrez und – etwas intensiver – Hesiod. Ein leeres Jahr.

Aber ich habe eine 6500-Kelvin Lichtlampe jetzt in meiner Küche, unter deren Schein ich eine bestimmte Stelle bei Proust (6. Band) suchte. Dazu später mehr, wenn ich sie gefunden habe. Jedenfalls reicht jetzt das Licht und die Lichttemperatur aus, dass ich wieder lesen kann. Ich werde also irgendwie überleben.

Dann war da „Die Autonauten auf der Kosmobahn“ von Cortázar/Dunlop. Dieses Buch ist absolut wunderbar und half mir, meine Schlaflosigkeit zu überwinden. Ein unübertreffliches Highlight in diesem Büchersommer, bei Surkamp neu aufgelegt, wer sich was Gutes tuen will, der kaufe sich und verschenke dieses Buch! „Dr. House“ zufolge hat ja noch kein Mensch je 10 schlaflose Tage überlebt. Dieses Buch war also demzufolge für mich lebensrettend.

Dann rief mich die Leistungsabteilung von der hartz-iv-Behörde an, Herr ziggev, bitte rufen Sie doch mal bei Ihrem Gasversorger an und erfragen den genauen Nachzahlungsbetrag, damit wir fristgerecht überweisen können! Mach ich doch! Ich hatte fünf Jahre lang nicht mehr den Gaszähler abgelesen, die Nachzahlung belief sich mittlerweile auf ca. 3300 €! Nach einigem Hin und Her und ein paar Briefen, unglaublich, wie charmant ich ab und zu am Telephon sein kann, hat die hartz-iv-Behörde umstandslos die 3300 € bezahlt ! Ich habe mich immer noch nicht ganz von diesem chock erholt !

Dann: Du kennst ja sicherlich solche Leute, bei denen, wenn sie den Mund aufmachen, Dir das Lächeln gefriert. OAch, es ist ja so schade, aber die Zähne sind, soweit noch vorhanden, alle verrottet und schwarz. So einer bin ich gewesen. Zuletzt hatte es aber sogar meine Schneidezähne angegriffen … Um es kurz zu machen: achtfache Überkronungen von diesem Super-Zahnarzt bewerkstelligt. Zuzahlung: wirklich lächerlich gering. Härtefall, ich glaube es wirklich nicht, Gasrechnung bezahlt, Zähne neu, das neue Jahr … Man darf heutzutage doch wohl auch noch mal ein großes Lob auf diesen Sozialstaat ausrufen? Oder nicht? Ich jedenfalls tue es hiermit! Ich friere nicht, und ich darf ein weibliches Wesen anlächeln, ohne damit zugleich befürchten zu müssen, dass sie sich in der folgenden Nacht in Angstschweiß in Alpträumen winden wird, weil sie in diesen Abgrund einer Fresse von vergammelten, schwarzen Zähnen hatte blicken müssen!

Das sind einfach Basics. Der Sozialstaat hat bezahlt (ich glaube es immer noch nicht!).

Hinzukommt, dass ich mit meinem Zahnarzt einen Freund gewonnen habe. Denn er leidet unter einer tief und festsitzenden Depression. Allein das Wort an mich zu richten, einen Patienten, scheint ihm überschmerzvolle Selbstüberwindung abzufordern. Aber ich habe eine Selbsthypnosetechnik entwickelt, durch die ein möglicher, etwaiger Schmerz bei der Behandlung gar nicht erst so richtig in mein Hirn vordringt. (Genaugenommen handelt es sich um eine Meditation, die von keinem geringeren als Buddha Himself weiterüberliefert wurde, meine Quelle ist hier nicht Osho, also nicht nur aus Spaß, sondern vertrauenswürdig).

Euphorisch also wache ich jedesmal aus der Zahnbehandlung auf, teile sie natürlich meinem depressiven Zahnarzt und seiner Helferin mit ihren kleinen, kalten Brüsten mit, die sich immer über mich beugt, und so gewann ich einen Freund. Mein Zahnarzt, der Freund.

Allerdings habe ich nun etwas Schwierigkeiten, die labio-dentalen und harten S-Laute auszusprechen, daher geht das Programm für das folgende Jahr wie folgt:

I. Den gesamten Proust nochmal (zum 3. mal) durchlesen (mit meiner neuen Lampe). Und zwar laut. Laut vorlesen, und jeder Aussprechungsfehler wird erbarmungslos erkannt und korrigiert. Dann muss halt der ganze Satz nochmal von vorne vorgelesen werden. Wenn das noch nicht reicht, kommt Thukidides dran.

II. Das Buch „Die Autonauten auf der Kosmobahn“ von Cortázar/Dunlop insgesamt abschreiben. Denn es handelt sich um eine Übersetzung und editorische Arbeit, die ihresgleichen sucht. Ich hatte schon die Idee gehabt, dieses Buch zu besprechen – unter Verwendung informationstheoretischer Terminologie. Als Arno Schmidt bei Rowohlt Fischer rauskam, wurde sich schließlich noch ganz unbefangen ihrer befleißigt. Erstmal aber abschreiben.

 

Und noch etwas: Ich unternahm Versuche, mein Unterbewusstsein zu erforschen, oder zu untersuchen, vorausgesetzt, dass es denn eine solches gäbe. Und tatsächlich! Es hat Ergebnisse gegeben. Denn ich musste meinen schon seit langem geplanten Essay über Dunkelheit, über die Dunkelheit des Bewusstseins – im Gegensatz zur Klarheit des „No Mind“ – neu konzipieren. Zuletzt hatte ich ja Bewusstsein mit Dunkelheit assoziiert. Es stellte sich aber nach ein paar ExperimentenPhoto0086

 

 

 

 

 

 

doch etwas anders dar. (Immer nur geringe Mengen und unter ärztlicher Aufsicht!)

 

Über Dunkelheit werde ich also vielleicht u.A. schreiben.

 

 

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