Internet ist voll – Wortanfälle, Monologe, Selbstgespräche

es gibt so Tage, diesmal waren es Monate, Wochen, und da wird dir klar, das Intenet ist voll. hier endet das Intenet, end of the simulation, zu voll, in diesem Fall von „ziggev“ (mein Alias) – hinzuzufügen gibt es nirgends etwas, deine Kommentare sind überflüsssig, dein Blog nervt, obgleich du es ja extra eingerichtet hattest als „bad-Blog“, unaufgeräumt und vollgestopft mit all den Sachen, die du selbst nicht mehr hören kannst und die zu lesen sowieso niemand hätte zugemutet werden dürfen; es kam hinzu, dass ich beim geschätzten Bersarin auf Aisthesis herumpöbelte.

aber sich andauernd zu entschuldigen geht auch nicht. und das, nachdem ich mir ganz, ganz fest vorgenommen hatte, nicht mehr zu kommentieren. gab es nicht mal eine Punk-Band names „Wortstuhl“?, – ach, jetzt weiß ich´s wieder: „Mundstuhl“! obwohl ich mich im betreffenden Bereich gar nicht auskenne, ist eine Band wie „Schließmuskel“ mir dann doch ein Begriff. „Wortanfall“ ist vorerst gescheitert, Klinikaufenthalt wird morgen gebucht.

wenn ich es nur lese, wie anfallbefreit das hier alles daherkommt, nein, so geht das nicht. es ist Unsinn, Konzepte zu haben, Ideen, und dann was draus machen zu wollen. jedenfalls ist es über alle Maßen langweilig. und ich glaube nicht, dass ich mich „leergeschrieben“ habe, dass deshalb die inneren Monologe, die stundenlangen Selbstgespräche ausbleiben. ja, ich war mal in psychiartrischer Behandlung (keine Sorge, alles nicht so schlimm; ne saubere Diagnose, und dann hatten nur ein paar Schritte unternommen werden müssen, Joggimg und Meditation, das Gesunden wurde nun zur nichtendenwollenden Party) nunja, im Zuge dieser Selbsttherapieversuche (das lief dann erstaunlich gut) erzählte ich meiner Psychiaterin, dass die Selbstgespräche, die ich mir angewöhnt hatte und von denen ich befürchtete, dass sie als „Symptom“ gedeutet hätten werden können, angefangen hatten mich zu langweilen. und ich damit aufgehört hatte.

sie als Symtom zu deuten, dass dies so üblich sei, das war meine Idee gewesen, meine Psychiaterin zeigte sich jedoch dagegen lediglich etwas erstaunt, denn soetwas, dass da jemand aus bloßer langer Weile den inneren Monolog abzustellen vermocht habe, hätte sie noch nie gehört. du kannst dir gar nicht vorstellen, wie langweilig so ´ne mittelgradige depressive Episode ist! sich langweilen zu können – das war der erste Schritt zur Genesung!

aber selbstverständlich nichts gegen Selbstgespräche und innere Monologe! Arno Schmidt (ed.: himself) (alias Karl Richter in „KAFF auch Mare Crisium“) sagt es klipp und klar: er spricht von seiner Bewunderung für Tante Heetes Fähigkeit zum Selbstgespräch (ich hoffe, dass ich jetzt nicht Buch, Anekdote und Personen vollkommen durcheinander gebracht habe).

es ist wie wenn sich im Traum alles aufklappt zum zweidimensionalen Schema. ich kann nur sagen, mittelgradige depressive Episoden sind sowas von öde, nur noch zu toppen durch schwere, nicht zu empfehlen, mach was, irgendetwas!, aber gib dem mit sich selbst beschäftigten Hirn mal etwas Spielraum, lass es sich langweilen! nach traumlosem Schlaf ihm zuzugucken, wenn es (ich möchte Worte wie „Geist“ u. „Verstand“ vermeiden) wieder anfängt zu arbeiten, die Herrschaft wiederzuerlangen versucht (wie es zu bewerkstelligen ist, traumlos zu schlafen, verrate ich vielleicht demnächst in meiner neuen Rubrik Esoterik edt. x.), gibt die Möglichkeit, zu sehen, was es dir bieten kann: Interpretationen, Satzfetzen, Erinnerungen – alles steht schon zweidimensional, in Sätzen ausformuliert da! sämtlich Gedankenstrichen, Kommata, Strichpunkte usw. It´s done; du brauchst es nur noch hinzuschreiben. der Geist  ist eine über alle Vorstellungskraft hinausgehend präzise arbeitende Maschine.

aber 1 1/2 bis 2 Seiten sind dann nun mal Minimum 6 entbehrungsreiche Stunden Arbeit pro Tag.  an diesem Projekt bin ich nun vorerst gesdcheitert. nicht einmal die inneren Monologe, die Selbstgespräche wollen sich wieder einstellen, was ja eigentlich nicht so schlimm ist, denn sie waren ja nicht nur langweilig, sondern auch, was ich erkannt hatte, vom artistischen Aspekt her, ich drücke mich vorsichtig aus, überarbeitungswürdig. aber die morgendlichen Aufhellungen ins Dunkel des „Geistes“ – jetzt doch! – beleuchten Gespenster, – hell ist es da draußen. Gespenstern jedoch ist es nun mal eigen, das scheint in ihrem Wesen zu liegen, draufloszubrabbeln. (entsprechende Stellen im „Zauberberg“.)

*

Singvögeln, die singen, schwillt das Gehirn an, es wird schwerer; wenn sie aufhören, wird es wieder leichter, es schwillt ab, damit sie besser fliegen können. Dunkelheit und Schwere, sie passen gut zusammen, nur allzugut! ich aber bleibe dabei: der Frühling, der Sommer ist die Zeit zum Losfliegen! tagsüber oder in der Nacht!


8 Kommentare on “Internet ist voll – Wortanfälle, Monologe, Selbstgespräche

  1. Bersarin sagt:

    Jeder sollte das machen, was für einen gut ist, aber wenn Du im Zuge Deines Mottos unter dem Blogtitel arbeitest, denkest, schreibst, so wird es gehen. Dieser Blog ist ein wirrer, irrer, aber interessanter und großartiger Blog. Das eben ist dann am Ende doch Schreiben. So zu machen wie man will, auch die Photos. Ecriture automatique in bester Form. Es wäre das Ende dieses Blogs ein Verlust.

    Du hast übrigens drüben bei mir nicht gepöbelt. Es war völlig ok, was Du schriebst. Du bist viel zu höflich, um zu pöbeln.

  2. ziggev sagt:

    danke für diesen netten und freundlichen Kommentar!

  3. FrauWunder sagt:

    selbstgespräche sind eine feine sache und ab und an kann man die auch in einen feinen text transformieren…

  4. Bersarin sagt:

    @ FrauWunder
    Sie wissen es selber: das ganze Leben ist ein Selbstgespräch. Möglicherweise. Aber nicht immer ein Text. Es gibt Differenzen, die entscheidend sind. Ich bin nicht nur der Theoretiker des Textes, sondern auch der des Körpers: in meinem Studium wollte ich eine Theorie der Körper entwickeln. Ob Sie das interessiert hätte?

  5. ziggev sagt:

    danke auch für ihren Kommentar, FrauWunder!

    ich bin übrigens, wenn ich das hier mal nebenbei erwähnen darf, manchmal ein großer Fan von Ihrer spontanen Schreibe, die Sie zu meinem Glück (keine Lüge, siehe das Komma an der richtigen Stelle, unten) bei Bersarin zum Besten gaben. Alles auf einmal und zugleich, was ich ja auch versuche, nur dass leider allein in der Sukzession sich in der Sprache der (oder ein) Sinn ergibt … es schießt nach Vorne, überholt sich selbst, nichts wird entsorgt oder links liegengelassen, nichts bleibt verschwiegen, – und immer, wenn mir um die sich daraus ergebende Syntax bange wird, sitzt das Komma, das Komma!, an der richtigen Stelle, immer. Das klingt pedantisch, entlockte aber meiner Brust einen Seutzer, kein Witz, kein Zweifel, ich habe darauf achtgegeben, es war ein Seufzer. Verbirgt sich hinter Ihrer etwas wilden Schreibe nicht vielleicht doch ein unerbittlicher Formwille ?

    Ungelogen: ich habe mir schon überlegt, ob ich das auch hinbekäme, und mir vorgestellt, wie ich derartiges FrauWunderliches zu versuchen wohl anstellen würde.

    Mir geht es allerdings gar nicht so sehr um die Selbstgespräche, da gibt es bloß immer diese Unterbrechungen und ich falle mir dauernd selbst ins Wort, aber ich war ehrlich entzückt, als ich las, dass Arno Schmidt hierzu eine ganz ähnliche Haltung hat wie ich. Offensichtlich steht hinter Tante Heete in Wahrheit J. Joyce. Und wenn ich in meiner Wohnung etwas suche, welche Wohnung immer abgedunkelt ist und in der stets lediglich schwach die schimmernden Umrisse der Möbel und des anderen Mülls zu erkennen sind, dann mache ich – mit Blitzlicht – ein Foto. Blitzlicht, nix da Taschenlampe, alles auf einmal und zugleich, nen Blick riskieren, Tastatur, und dann los (das wäre mein Ideal).

    @ you both; ihr könnt gern euer wunderbares Gespräch auch hier weiterführen, kein Problem; gehupft wie gesprungen, ob ich nun bei Bersarin mitlese oder hier. nur ca. spätestens in drei wochen gehe ich in die Kur und dann mache ich hier ggf. dicht.

  6. Bersarin sagt:

    Geh auf Kur, erhol Dich, laß ab von dem, wovon abzulassen ist, aber mach den Blog nicht dicht! Das meine ich sehr ernst. Ich mag Deine Art zu schreiben sehr, ich schätze Deine Kommentare, es ist ein wildes Denken, aber in bester Tradition. Und es würden mir, das sage ich mal etwas Pathetisch, Deine Texte fehlen. Du schriebst vom Zen und vielleicht bist Du exakt darin. Selbst wenn Du kaum Leser haben solltest: Das Schreiben als solches, als Entäußerung als Strömen, als Übung als Fluß als Bei-sich-im-andern-Sein: es übt, es ist eine Form des Denkens.

    ___________

    FrauWunder und ich werden hier und auch sonstwo ihre Dispute nícht fortsetzten, weil ich darauf keinen Wert lege.

  7. ziggev sagt:

    ok., es bleibt alles, wie es ist, konzeptlos, durcheinander, im Experimentalstatus verbleibend, wobei damit naürlich vielzuviel gesagt ist, weil die Versuchsanordnung völlig unklar bleiben wird.

    und das Zimmer bleibt unaufgeräumt; von überflüssigen Füllwörtern wird es nur so wimmeln,. die wie zufällig hineingeplumpst die aus den Fugen geratene Syntax bevölkern werden, die Verbalklammer wird weiterhin bis an die Grenze der Belastbarkeit und darüber hinaus strapaziert werden, wie überhaupt die Syntax, es werden Substantive stehenbleiben, die eigentlich einen anderen Kontext erfordern, überhaupt wird es vieles Unüberprüftes geben, vage Zitate, es wird Planungen geben, die nie eingelöst und ungenannt bleiben werden. ich werde brutalstmöglich an der Zusammenschreibung festhalten und viele Dummheiten begehen; und manchmal werden Dinge ungesagt bleiben, die ungesagt bleiben sollten. (das könnte sich jedoch dann auch über längere Zeiträume erstrecken.) …

    und ja, Schreiben ist eine schöne Form des (sich) Übens. es fällt mir natürlich nach diesem Zuviel des Lobes schwer, Worte zufinden; und das Grausame an meinem Leben ist: ich kenne keine Ironie. aber ich fühle mich zum Teil verstanden, das ist immerhin etwas, danke! dass es jedoch so laufen wird, wie bei Dir, kann ich nicht versprechen: erst die Drohung, aufzuhören, um dann erst so richig loszulegen ;-)

  8. ziggev sagt:

    @bersarin

    klar, das war natürlcih ´n fiesester Authentizitäts-Anwurf, „ich fühle mich verstanden“, das mit der Ironie – ich übe mich noch darin!


schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s