nein, nein, nein, nein, nein (letzte Mitteilung zu Whitney Houston) -edit, und nochmal edit.

ich denke nicht mehr an die Tochter von Bill Clinton (auch nicht an die von Christian Wulff, auch nicht an die Töchter von Karasek),

hier ist sie.


Whitney Houston -edit

(edit: ach ziggev, die Mühe hättest du dir ja schon machen können, mal eben die Chronologie, die Einordnung in die 80er bzw. 90er kurz zu recherchieren. Nun stellt sich heraus, dass ich sie ehrlich lediglich ein oder zwei Jahre lang in den 80ern verehrt hatte. Später muss es dieses Bild gewesen sein, auf dem sie abgebildet war, so, wie ich sie einmal geliebt hatte.)

als (edit: ich meine natürlich den MTV-Video) “I Wanna Dance With Somebody” rauskam, war ja eigentlich schon klar gewesen, jetzt kommt nur noch der Absturz. Das Pop-Business hatte sie mir weggenommen, das war billigster Kommerz, zum Hohn schallte das Lied selbst aus der schmierigsten Eck-Kneipe im Schanzenviertel. Mir war ganz und gar nicht zum Tanzen, ich trottete in jener regenreichen Nacht über das nasse Pflaster. Und war so einsam wie noch nie. Allgegenwärtig das passende Foto, damals. Aus einem unerfindlichen Grunde kam mir eine Zeile von Wolf Dieter Brinkmann in den Sinn und die Unergründlichkeit der Frage, warum ein Tango ein “schwarzer Tango” ist.

Dabei hatte ich sie ehrlich verehrt, geliebt; überhaupt, wie ist das möglich, sich in einen amerikanischen Star zu verlieben; ich war selber verwundert darüber, dass mir genau das passiert war. Irgendwo habe ich noch ein Foto aus den 80er-90ern, ursprünglich aus einer englischen Zeitung, wieder abgedruckt vom SZ-Magazin, und da war sie, ungeschmikt und einfach schön.

Ungeschminkt. (edit: Es war, so damals im SZ-Magazin zu lesen, in jener Zeit in England ein neuer Trend, Pop-Stars ungeschminkt abzulichten.)

Sie hatten sie bemalt und mir weggenommen. Gestern ist Whitney Houston gestorben.


Schalom, Johnny Cash

immer schon hatte ich ja Kontakte zur Penner-Drogi-Alki-Szene. Ja, hatte ich. Denn die meisten sind inzwischen mal eben so einfach weggestorben. Und ich muss sagen, dass ich einigermaßen erschüttert bin, weil ich feststellen muss, jetzt, wo ich darüber nachdenke, dass es über all dies so wenig zu berichten gibt. Es sind Krankengschichten, meist mit schlechtem Ausgang.

Oder: Vielleicht kommt noch der Tag mit dem großen Atem, der Tag, an dem ich von X, Waren-Termin-Geschäfte, London, elendig krepiert als Penner in Hambuerg, der Typ mit dem ausgesuchenten Hochdeutsch, berichten werde können. Oder, oder, oder …

Aber ich frage mich, warum mich dieser letzte Tod so mitnimmt. Lag es daran, dass die Trauerfeier nur halb gelungen war, daran, dass der Typ, der ihn tot auf der Toilette aufgefunden hatte, volltrunken da aufschlug, mit der Tür klapperte, ich nenne ihn mal ‘Q’, eingeheiratet in diese high-society-Diplomatenfamilie, und der die Andacht störte? Nachdem zur Einstimmung die Klänge von Johnny Cash zu hören gewesen waren?

Oder liegt das daran, dass ich den Burschen erst vor einem Jahr näher kennen gelernt hatte, als er uns, mich und die Frau, die ich liebe, zu Weihnachten aufgabelte, als bei uns die Familiensache durch war und er offensichtlich alleine? Und er uns einlud, Wodka war ja – immder mindestens zwei Flaschen – da?

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Es ist selbstverständlich immer wohlfeil, Trauerreden zu kritisieren.

Aber soviel wusste ich von dem Kerl schon, um mir sicher zu sein, dass die “dunkle” Seite seines Lebens, versteckt hinter dem, was Adorno den Jargon der Eigentlichkeit nannte, moralisierend der Bequmlichkeit halber ausgeblendet wurde. Es wurde verallgemeinernd ausgeblendet, was die wirklichen Ursachen für diesen frühen Tod mit 47 Jahen waren.

Andererseits erfuhr ich vieles, was ich nicht wusste, und vielleicht haut dieser Tod deshalb so rein, weil ich erst danach, nachdem ich ihn kurz kennen gelernt hatte und er gestoben war, mir ein Bild machen konnte, wie und warum es so hatte kommen müssen.

Und es war allen klar gewesen, dass es so nicht lange hatte weitergehen können mit ihm. Ich hatte ihn zuletzt noch nach seinem letzten Entzug fröhlich mit der Süddeutschen unterm Arm munter durchs Dorf schreiten sehen, jetzt ernährte er sich ausschließlich von Wodka.

Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass es nicht nur das Bewusstwerden der Tatsache ist, dass “die Einschläge immer näher kommen”, dass mit jeder Minute das Datum des eigenen Todes näher rückt, dass es nicht bloß diese Angst ist, die mich bis Heute so fertgt macht. Und dazu hatte ich die letzten Jahre sicherlch genug Gelegenheit gehabt.

Zwar spreche ich dem Alkohol manchmal zu oft über die Maßen zu, habe andererseits ne astreine diagnosis, “schwere depressive Episode”, das alles ist kein Wunder, und ich bin da vollkommen unbesorgt, aber seit einer Woche macht mich das Versterben dieses Typen, mit dem ich mich gerade mal bei zwei Gelegenheiten gut und angereget unterhielt, total fertig. Ne Freundin, die ihn kannte, weinte gestern bitterlich. Die Frage: Warum? Ich weiß es nicht. Sein Spitznahme war übgrigens “Schalom”.

Jetzt Johnny Cash.

PS: es liegt auch nicht an Schubert ; – )


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