drüben beim Che gab´s wieder eine Diskussion, in der Linken Selbstgerechtigkeit vorgeworfen wurde

unter Anderem bezog sich der Nögler auf einen blog, in dem Momorulez sich mit dem Antiamerikanismus beschäftigt hatte. In diesem Artikel hatte Momorulez ja selber einen Vorschlag unterbreitet, wie es zu Phänomen ähnlich der Möchtegern-Solidarität in sich links verstehenden Kreisen hatte kommen können. Er spricht von Selbstgerechtigkeit, “nunmehr jedes Feld zu okkupieren und zum eigenen zu machen”, was im Keime eben jene Haltung sei, die dazu führe, “dass Weiße PoC darüber belehren wollen, was Rassismus sei”.

Momorulez will verstehen, wie es zu dieser Haltung kam, und bietet eine Antwort an, die doch ziemlich genau das beinhaltet, was ihm nun vorgeworfen wurde. Und was vielleicht auch mein unbewusster Vorwurf war, – deshalb mein Rumgeeiere drüben? Ganz sicher bin ich mir nicht.

Ausgegangen war er vom Antiamerikanismus, wie es ihn auch in der Friedensbewegung gegeben habe, nämlich unter anderem “mit teils nationalistischem Einschlag”. Es sei versucht worden, “historisch geläutert das „gute Deutschland“ zu inszenieren”. – Aber das passt doch gut zusammen mit dem Antiamerikanismus der Kriegsverlierer: Verdrängung der eigenen Schuld am Holocaust, “wir sind wieder wer”, was sich in der Friedensbewegung habe einschleichen können. Antiamerikanismus hat es nun aber zumindest als Vorwurf gegeben in jener Zeit. Eher allerdings aus der Fünfte-Kolonne-Historikerstreit-Ecke. Das zielte eben auch auf linke Verdrängung (Faschismus ist die notwendige Folge von Kapitalismus und Imperialismus, was habe ich also mit dem Holocaust zu tun). Diese linke Verdrängung, oder die Bereitschaft dazu, hat es allerdings gegeben. Da die Linke immer schwächer wurde, konnte schließlich Walser seine Paulskirchenrede halten. Vielleicht hat diese linke Verdrängung doch etwas mit der für “die Linken” so typische Selbstgerechtigkeit zu tun.

Als sich die links/rechts-Dichotomie (scheinbar) aufzulösen begann, jedenfalls für die Wahrnehmung des Mainstreams, gab es vielleicht doch “in diesem Szenario 1977-83″ eine Art, hmnja, Neuanfang, in dem “sich sehr Unabgegoltenes verbirgt?”, wie Momorulez schreibt. Das hatte mich verwundert, denn dann sähe Momorulez ja Chancen dort, wo es sich um eine Verfallserscheinung der Linken in Form z.B. eines nationalistischen Antiamerikanismus in Teilen der Friedensbewegung handelt, er also ins stalinistische Umerziehunglager gehört hätte, das umgekehrt ihm ja schon mächtig um die Ohren gehauen wurde.

Heute sehe ich linke Selbstgerechtigkeit eher als Folklore. Derart, dass der entsprechende Vorwurf so sehr Standart-Folkore geworden und ihr eigentlicher Ursprung in Vergessenheit geraten ist. Es gibt natürluch auch unschöne Erscheinungen, vielleicht sind die gar nicht als typisch links zu sehen, und “Folklore” muss natürlich wieder durch “Selbstgerechtigkeit” ersetzt werden, wenn Momorulez damit recht hat, dass sie dazu geführt habe, dass Weiße PoC darüber belehren wollen, was Rassismus sei.

Ansonsten nehme ich sie hin, übrigens nicht wie schlechtes Wetter. Zumal, wenn mir möglw. erscheinende Überheblichkeit eben möglicherweise bloß meine Projektion ist, weil ich abwehren will, Angst um Privilegien habe. In der reinen Form bin ich ihr in Blogs noch kaum begegnet (ich lese ja auch nur welche von schlauen Leuten), aber vielleicht hat sie fortgewirkt und bringt heute noch ein Verhalten hervor, für welches z.B. Lantzschi kritisiert worden ist, wenn denn an diesen Vorwürfen überhaupt etwas dran ist. Aber auch dann nehme ich sie hin. Sie hatte immerhin noch lange eine erhebliche Anziehungskraft, da waren ja immer diese Leute gewesen, in den 60ern, 70ern, die automatisch einfach immer recht hatten, dazu das Empörungspotenzial, das sich flugs angeeignet werden konnte. Da ist nichts zu machen, ist im linken Paket vielleicht ja immer noch mit drin. Und abgesehen davon, dass bei einigen ehemalige Linken, die plötzlich konservativ sind, über Katholizismus faseln, sich auf einmal alles geändert hat, nur die habituelle Selbstgerechtigkeit nicht, ist sie mittlerweile Bestandteil des guten Tons geworden. intellektuelle Überheblichkeit, früher mal der Renner, macht sich immer noch gut, und gekonnt inszeniert, sorgt sie regelmäßig in den Kommentarspalten für Begeisterung.

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Biographisches
Typisch linke Sebstgerechtigkeit, ich glaube zu wissen, was damit gemeint ist. Ich will ja nun icht in die gleiche Kerbe hauen, außerdem fand ich das Phänomen abschreckend und habe dann diese Kreise nie näher kennengelernt. Später, in Uni-Zusammenhängen, habe ich es versucht. Doch ironische Bemerkungen zu in meinen Augen längst veralteten Positionen wurden glatt – kleine Schweigepause – übergangen. Auch habe ich Leute und deren Verkleinbürgerlichung kennengelernt, durch familiäre Kontakte, zugleich wunderte ich mich über diese Selbstzufriedenheit. Für die ich sie eher beneidete. Vielleicht kam dieser Anschein auch daher, jahrelang die Ursachen für alle Unbill auf dieser Welt erforscht zu haben: mit kühlem Kopf, und wen dann nichts mehr wundert, den hielt ich wohl für etwas selbstzufrieden. Und wenn dann alles glücklich läuft, Doktorarbeit über Stadtteilarbeit oder so, was dann?

Ach, noch eine Erinnerung, ein Freund spielte mit seiner Band in der Bahnhofsmission, danach feierten wir wild im Keller mit ein paar Obdachlosen, ich spielte “These Boots Are Made For Walkin”, Löffel klapperten auf Tischplatte, und … weiß ich nicht mehr, bis mir die Finger bluteten. Und da war ein großer Raum. Rechts in Großen Kisten, eher Raumteiler, lagen Klamotten, links waren Äpfel gelagert: Vitamine für alle! Vorne stand mittig plaziert ein Schreibtisch mit Laptop (glaube ich mich zu erinnern) und einer Lampe als einzige Lichtquelle im Raum. Und da war dieser coole junge Typ, ganz in Schwarz, die Haare kurtz, schwarzgefärbt, und das Ganze wirkte wie in einem Film, der in den 30ern spielt. Der Komissar, Funktionär, der Verwalter, ich weiß auch nicht. Wenn diese Stilisierung jedoch beabsichtigt war, dann war sie gelungen. Da stand ich und bewunderte. Cool, alles unter Kontrolle, sich um die Basics kümmern, eine andere Welt, und 30erjahre-Chic. Na, und dann kam diese suberprächtige Blondine aus Schweden rein, megacool, auch noch solcherart international vernetzt. Also, ich war schon etwas neidisch.

…Netbitchs postpubertärte Selbstgfindungs-Vermutung. Fand ich z.B. interessant. Noch suchend, wenn ich so sagen darf, musst du dir die Sprüche anhören, die eben nicht denkbar gewesen wären, wenn nicht jemand meinte, Sex sei eben auch Politik, außerdem habe er den theoretischen Durchblick, da kann man sich in die Angelegenheiten fremder einmischen. Die Mädchen, die S. Beauvoir lasen, gingen mit dem Lehrer ins Bett oder fickten in der Villa der Eltern des einen Typen mit den drei Jaguars davor, hui, wie politisch! Oder die sich blähenden Nüstern dieses Jungspunts in der Uni, als er in irgendeiner Diskussion den Feind erkannt hatte. Hauptsache Feind. Wie ödete mich das alles an!



Von Zeitzeugen wurde mir allerdings widersprochen


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