Flughäfen, Trinksitten, Hannah Arendts Bewusstseinsstrom und Guru Steve Jobs

Verreist bin ich ja nie, auch nie geflogen. Und diese last-minute-flyghts haben bei mit immer diesen Abscheureflex ausgelöst: mit was für Leuten würde ich denn da fliegen, und wohin? Wahrscheinlich bin ich durch Klassenfahrten und Sportreisen mit der Minibubi-Fußballmannschaft bis heute angeekelt von solchen Massenunternehmungen. Ich weiß auch nicht, woher das kommt, aber irgendwie habe ich ein Anstandsgefühl, das mich vor jeder Grobschlächtigkeit und aggressiver Distanzlosigkeit, vor Grobheiten überhaupt zurückschrecken lässt, und wenn es dann kein Entkommen gibt, finde ich immer solche ungehobelten Grenzübertritte verletzend – auch wenn ich selber gar nicht betroffen bin. Obwohl ich nie erzogen worden bin, kenne ich das Fremdschämen für aggressive Kommunikationsstile, zu lautes Sprechen, Kraftausdrücke an falscher Stelle und Aggression induzierendes Urständ feierndes Banausentum schon seit meiner Kindheit. Vielleicht liegt es daran, dass Kinder einfach immer die Schwächeren sind, also verletzlich, und aus dem sich daraus ergebenden Schutzbedürfnis ein besonderes, feines Sensorium für Störungen in sozialem Kontext gewissermaßen von Haus aus mitbringen. Nun habe ich zwar subtile, zynische verbale Aggressionsformen im Elternhaus mitbekommen, aber nie, dass sich explizit Schimpfworte oder Flüche, Kraftausdrücke an die Köpfe geworfen wurden oder dass sich wirklich einmal angeschrien wurde. Vielleicht hat dieser Umstand dafür gesorgt, dass mir mein kindliches Stilbewusstsein bis heute – jedenfalls in gewissen Grenzen – erhalten geblieben ist: Es einfach vermeiden, allzu rücksichtslos und taktlos miteinander umzugehen. Auf diese Weise bin ich ein, in den allermeisten Fällen, sehr friedliebender und -fertiger Mensch geworden. Soviel zu meiner Theorie der Höflichkeit.

So habe ich es nie einzusehen vermocht, dass bei jedem Bier, Prost!, angestoßen werden müsse, dass unvermeidlich jedes Mal und unaufhörlich – je besoffener, um so lautstärker – sich gemein gemacht werden müsse; mir ist durchaus unklar, wessen sich, wenn gerade hierdurch die Situation immer mehr entgleitet, vergewissert werden soll. Für mich hat das was masochistisches.

… Nee so geht das nicht. Habe alles versucht, laut, leise lesen, zu unterschiedlichen Tageszeiten, nach einigen Tagen erneutes Lesen; habe versucht mir den Rest des Textes schönzutrinken, nüzt alles nichts, der Rest des Textes ist einfach nicht lesbar.


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.