selbe Diskussion beim Che

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momorulez verstehe ich an dieser Stelle so, dass er das Ergebnis dieser Entwicklung, also Deine (und Netbitchs – wenn sie hier miteinbezogen werden darf), Situation heute im Zusammenhang als kleinbürgerliche Flucht in gesicherte Verhältnisse empfindet. Oder, vielleicht, die Sehnsucht danach. (Denn: Wie es sich tatsächlich verhält, hast Du ja bereits geschildert; ich hatte den Eindruck, dass solche “kleinbürgerliche Sehnsucht”, so sie denn überhaupt je existierte, eher nicht in Erfüllung gegangen ist, sondern, in punkto Sicherheit, de facto eben gerade nicht.)

Im dritten und vierten Absatz oben scheint er mir eine Parallele zu ziehen zu Weisen, sich zu verhalten, die ich kurtz so beschreiben möchte: nach all den wilden frühen radikallinks engagierten Jahren habe ich jetzt schließlich meine Schäfchen ins Trockene gebracht und kann jetzt, mit dem großen Abstand, es mir auch leisten, all jene frühen Verwirrungen und Wirrnisse, die das so mitsichbrachte, zu kritisieren, mich “darüber zu erheben”. Was ihn, wie mir scheint, angekotzt, ist, dass er in der Lesart, also die Art und Weise, wie er dieses Blog nichtumhinkommend ließt, Ähnlichkeiten entdeckt zu Kotzbrocken wie Mattusek et al.

BTW, diesen Katholizismus á la Mattusek hatte ich bereits mit 17 durch – nachdem mich die “linke” Selbstzufriedenheit von meinen Mitschülerinnen derart abgestoßen hatte, die auf der Beziehungsebene lautete, das sind hier Hierarchien, du hast keine Ahnung, und solange du dich nicht unterordnest, haben andere (z.B ich) das Sagen. – Bald hatte ich diesen katholischen Freund, mit dem ich damals all das, bevor ich 20 war, durchexerziert hatte, was dieser Mattussek jetzt als lauwarmen Aufguss wieder bringt, für die echt minderbemittelten. Ach, ebendiese Mitschülerin war schon während meiner Schulzeit mit meinem Kunst- – und Tutor – also Vertrauenslehrer zusammen, was alle außer mir wussten. (An meiner Schule, in einer von Bonzen und Neureichen, Junge Union und Schlimmeres im Speckgürtel durchsetzten Gegend, eine der wenigen begehrenswerten, und, so meine Illusion, erreichbaren Frauen.) Später ein recht glückliches Paar, 80 qm Wohnung in Eppendorf (gute Gegend), Auto putzen am Wochenende, edle Fischgerichte, auch unter der Woche, usf. (In Sachen Katholizismus wurde die ganze Sache nochmal interessant nach der Lektüre von Kierkegaard, und nochmal nachchecken (der Versuch), wie war das eigentlich mit der sog. “konservativen Revolution” und etwa Heidegger -> Husserl?)

Und diese Sehnsucht eines Mattusek, jetzt hab ich´s ja, nach Sicherheit, und das Abfeiern auf die plumpeste Art, ist – ich kenn jetzt keine Steigerung – “kleinst”bürgerlich. Diese arme Sau!

@ mein oben eingeschobene Erinnerung, “These Boots Are Made For Walkin”. Ein naher Verwandter, ein Kritischer Psychologe (mit großem “K”), berichtete mir von seiner Bewunderung für die kommunistischen Aktivisten, die er während seines Praktikums in der Drogenhilfe kennengelernt hatte. Ich ging den kürzeren Weg, ich wurde gleich Penner, ohne K-Gruppen und solch Zeugs. Duschte mich, bevor ich die Wohnung verließ, damit ich wenigstens einmal am Tag nicht fror im Winter. Arbeitete, 680 DM im Monat, Miete abziehen, Nachtarbeit als Drucker, als Penner, (mist, eigentlich wolltest du ja studieren) ich muss schon sagen, ich verwahrloste zusehends, als solcher für Penner spielen, z.B. der Gitarrist der o.g. Band schon lange tot, was meiner Bewunderung für die “kommunistischen” Leute, die ich damals bewunderte, keinen Abbruch tut. (die ganze Scheiße geht jetzt wieder los, Kontopfändung wg. 80 € Betriebskostennachzahlungsrückstand f. d. Wohnung seit 2 Monaten, die wollen mich hier raushaben …)

Die (intellektuelle) Überheblichkeit gegenüber jenem o.g. Verwandten, der früher manchmal Foucault zu zitieren pflege, habe ich jedenfalls ganz abgelegt.


5 Kommentare on “selbe Diskussion beim Che

  1. che2001 sagt:

    Um das nochmal zu verdeutlichen, hatte ich drüben bei mir ja auch gemacht: Nein, der Plot war ein ganz und gar Anderer. Mein Ausstieg aus der Männergruppe und aus der StudentInnenszene insgesamt war Anfang einer Radikalisierung, zu der es gehörte, mit dieser geschlossen kleinbürgerlich sozialisierten Szene generell zu brechen. Und mir neue Kreise zu suchen, die sozial sehr stark durchmischt waren und in denen sozial Marginalisierte (DauersoziempfängerInnen, die “Vorsitzende” einer Politgruppe lebte 7 Jahre von Sozialhilfe und gründete dann ihr 1-Frau-Unternehmen, Bügerkriegsflüchtlinge) eine tonangebende Rolle spielten. Meine Kernaussage war eigentlich so gemeint: Der fortschrittlichste Ansatz geht zum Teufel, wenn er von den falschen Leuten betrieben wird, und das unterlege ich jetzt biografisch. Momorulez hörte da allerdings schon lange nicht mehr zu.

  2. ziggev sagt:

    In meinen Augen hast du ja auch zuletzt bei dir den Vorwurf der Kristina-Schröderiserei ganz gut dargestellt bzw. rekonstruiert.

  3. che2001 sagt:

    Ja, allerdings. Und ich war meinerseits ziemlich sauer, dass er mir überhaupt zutraute, ich könne das so meinen, wie das bei ihm ankam.

  4. ziggev sagt:

    wobei ich dann dachte, “es kann ja nicht sein, was nicht sein darf”, und und die betreffenden Einlassungen eher als ein Holterdipolter-Überreagieren gesehen bzw. so interpretiert hatte, dass dergestalt die Reaktion zum Besten gegeben wurde. Dann kam die übliche Eskalation, wodurch für mich eben die Reaktionen der Angegriffenen dabei umso weniger als darauf hindeutend hätten herangezogen werden können, dass sie es tatsächlich so gemeint hätten, wie es angekommen war, falls nun der Vorwurf auch wirklich anfänglich so zu verstehen gewesen sein sollte. – Nun, einiges deutete dann schon darauf hin.

    Zum Spieß- oder Kleinbügertumvorwurf. … Ein “-tum”, das sich ja eher vorbewusst abspielt. Da halte ich mich zurück, würde es immer tun, es sei denn, jemand fährt mir echt an den Karren. Denunziatorische Briefe an den Vermieter etc. Das ist die Sache mit dem Glashaus. Z.B. könnte mein letzter “wortanfall” – der sich einfach zu flüssig in die Tastatur hauen ließ – als ziemlich selbstgerechte, spießige Reaktion des kleinen männchens ziggev interpretiert werden. Vielleicht schreibe ich dazu noch was. Ein solcher Vorwurf – vielleicht kann er unter dem der Selbstgerechtigkeit subsummiert werden – ist in meinen Augen notorisch übergriffig, und da sehe ich eher eine Ansammlung von Leuten vor mir, die alle mit einer Hand auf andere zeigen, während die andere, und sähen sie sich im Spiegel, würden sie es bemerken, gerade die eigene Nase zu fassen bekommen hat.

    Und die Sehnsucht nach Sicherheit im Kleinen ist ja auch ein romantisches Thema, ich denke an “Aus dem Leben eines Taugenichts”, wundervoll, von Joseph von Eichendorff, wo er dieses vorübergehende beschauliche Glück beschreibt; für mich liegt hier ein Grundwiderspruch. Wie lange hatte ich mich dagegen gewehrt (ich hatte auch einige kleinliche Ängste), endlich mal Musikunterricht zu geben – aber jetzt bin ich als Musik-Nachilfe-Unterricht-Hauslehrer in verhältnismäßig betuchtem Haushalt (von dem Typen, der das seit Jahren macht und mich motivieren will und immer schon wollte, es ihm gleichzutun) hinzugezogen worden, was ich mir allerdings ganz gut gefallen lasse: jetzt analysiere ich romantische Klaviermusik bzw. lerne dies gerade, und werde dafür noch bezahlt!

    EDIT: Ach, und noch etwas: Mit Harmonielehere kenne ich mich ja gut genug aus; aber wenn jemand einen guten Link zur Arbeit mit Motiven, Phrasen, Variationen von Themen etc. hat – bitte, ich wäre sehr dankbar, bitte her damit !

  5. che2001 sagt:

    @”Zum Spieß- oder Kleinbügertumvorwurf.” —- Ich bin tatsächlich der Auffassung, dass Menschen, die in einem Arbeitermilieu sozialisiert wurden, so rein nach gefühlter Statistik im Durchschnitt eine höhere soziale Kompetenz aufweisen als solche, die in akademisch-kleinbürgerlichen Verhältnissen und behütet aufgewachsen sind, und es war damals meine empirische Erfahrung, diese kleinbürgerlich-provinziell-akademische Linke zu verlassen und mich einer eher durch Arbeiterkinder und Migranten/Flüchtlinge geprägten, insgesamt aber sozial bunt durchmischten und daher auch keinem bestimmten Herkunftsmilieu mehr zugehörigen Linken anzuschließen, das als sehr befreiend zu erleben.


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